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Produkt-Informations-Management für KMU: Warum Excel ab 500 Artikeln bricht — und was an seine Stelle gehört

Stand: 21. Juni 20255 Min LesezeitWerkstatt-Wissen

Was drin steht

  • Produkt-Informations-Management — kurz PIM — ist die zentrale Datenhaltung für alles, was an einem Produkt hängt: Texte, Bilder, Eigenschaften, Varianten, Preise, Liefer-Informationen. Eine saubere PIM-Datenhaltung ist die Grundlage für Shop, Katalog, Marktplatz-Anbindung, Druck-Materialien und Werbe-Texte.
  • Excel-Listen funktionieren bis etwa 500 Artikel mit überschaubarer Eigenschaft-Tiefe. Darüber kippen sie: Tipp-Fehler werden unsichtbar, Versionen laufen auseinander, mehrsprachige Pflege wird zur Hand-Arbeit, Bild-Verkettungen verlieren sich.
  • Eine PIM-Logik ist keine Pflicht-Software. Sie ist eine Art, Produkt-Daten so zu strukturieren, dass jede Information genau einmal gepflegt wird und überall — Shop, Marktplatz, Katalog — automatisch korrekt erscheint.
  • Der 5-Punkte-Plan für den Einstieg: Pflicht-Felder definieren, Eigenschaften strukturieren, Bilder ordnen, Sprachen klären, Verkettung zu Shop und Marktplatz bauen.
  • Eigenes PIM lohnt sich ab etwa 1.000 Artikeln, mehrsprachiger Pflege oder Anbindung an mehr als einen Verkaufs-Kanal. Darunter reicht oft eine saubere Datenbank-Tabelle im Shop selbst.

„Wir haben das Sortiment in einer Excel-Datei.“ Diesen Satz hören wir in Erstgesprächen oft. Wenn das Sortiment 80 Artikel hat, ist die Datei in Ordnung. Wenn es 1.200 Artikel hat, ist sie eine tickende Uhr — irgendwann fällt eine Spalte raus, eine Version geht verloren, ein Bild liegt im falschen Ordner, und die Pflege wird zur Vollzeit-Aufgabe.

Dieser Artikel erklärt, was Produkt-Informations-Management wirklich ist, ab welchem Punkt Excel kippt, welche fünf Schritte den Einstieg machen und wann sich eine eigene PIM-Software-Schicht lohnt. Wir haben das in den letzten Audits bei Mittelständlern unterschiedlicher Größe sortiert — die Bruchstellen sind erstaunlich gleich.

Was Produkt-Informations-Management wirklich ist

Produkt-Informations-Management — abgekürzt PIM, gelegentlich auch Product Information Management — ist die zentrale Datenhaltung für alles, was an einem Produkt hängt. Dazu gehören:

  • Stamm-Daten: Artikelnummer, Bezeichnung, Marke, Kategorie.
  • Texte: Kurz-Beschreibung, Lang-Beschreibung, Verkaufs-Argumente, technische Daten, in einer oder mehreren Sprachen.
  • Bilder und Medien: Hauptbild, weitere Bilder, Detail-Aufnahmen, Lifestyle-Bilder, technische Zeichnungen, Anleitungs-PDFs.
  • Eigenschaften: Größe, Farbe, Material, Gewicht, Maße — alles, was sich strukturiert auflisten lässt und für Filter im Shop genutzt wird.
  • Varianten: Wenn ein Produkt in verschiedenen Größen oder Farben kommt, die Verkettung der Varianten zum gemeinsamen Eltern-Produkt.
  • Preise: Standardpreis, Sonderpreis, Mengen-Staffel, individuelle Preise für Geschäftskunden.
  • Liefer-Informationen: Versand-Gewicht, Versand-Klasse, Lager-Standort, Versandzeit.

Die Pointe: All diese Informationen werden in einem PIM genau einmal gepflegt — und tauchen dann automatisch korrekt überall auf, wo sie gebraucht werden. Shop-Storefront, Marktplatz-Datenfeed, Katalog-Druck, Werbe-Texte, Newsletter, Vertriebs-Unterlagen.

Warum Excel ab einem bestimmten Punkt kippt

Excel ist ein gutes Werkzeug für kleine Sortimente mit wenigen Eigenschaften. Bei wachsendem Sortiment fallen sechs Schwächen ins Gewicht.

Erstens: Tipp-Fehler werden unsichtbar. „Schwarz“, „schwarz“ und „Black“ sind in Excel drei verschiedene Werte. Im Shop tauchen sie als drei verschiedene Filter-Optionen auf. Der Käufer sucht nach „schwarz“ und findet nur einen Teil der Artikel. Bei 80 Artikeln korrigiert man das in fünf Minuten. Bei 1.200 Artikeln ist es ein halber Tag und kommt regelmäßig wieder.

Zweitens: Versionen laufen auseinander. Wer schickt welche Datei wem, wer hat die aktuelle Version, ist die Liste vom Kollegen schon eingepflegt? In Excel-Workflows kommen Versions-Konflikte fast täglich vor, sobald mehrere Menschen pflegen.

Drittens: Mehrsprachigkeit wird zur Hand-Arbeit. Wer in zwei oder drei Sprachen verkauft, hat in Excel oft eine Spalte pro Sprache pro Feld. Das Ergebnis: dreißig oder mehr Spalten pro Produkt, mit dem Risiko, dass die englische Beschreibung beim nächsten Update für ein Produkt vergessen wird.

Viertens: Bild-Verkettung verliert sich. Welches Bild gehört zu welchem Artikel in welcher Variante? In Excel landet das oft als Dateiname-Konvention („artikel-1234-rot-vorne.jpg“) — und wenn jemand das Bild umbenennt, ist die Zuordnung weg.

Fünftens: Filter im Shop werden unsauber. Wer im Shop nach „Größe L“ filtern lässt, braucht eine Datei, in der die Größe als strukturierter Wert steht — nicht in einem Fließtext-Feld. Excel-Listen mischen das oft, weil es schneller geht.

Sechstens: Marktplatz-Anbindung verlangt Struktur. Wer auf einen Marktplatz exportiert, muss die Produkt-Daten in einem genau vorgegebenen Format liefern. Aus einer wild gewachsenen Excel-Tabelle wird das eine wiederkehrende Konvertierungs-Arbeit, mit jedem Marktplatz neu.

Der 5-Punkte-Plan für den Einstieg

Punkt 1: Pflicht-Felder definieren

Welche Felder muss jedes Produkt haben, bevor es online geht? Üblicherweise: Artikelnummer, Bezeichnung, mindestens eine Beschreibung, Hauptbild, Preis, mindestens eine strukturierte Eigenschaft, Versand-Klasse. Wer diese Liste festschreibt und kein Produkt ohne sie online lässt, vermeidet die größten Qualitäts-Probleme.

Punkt 2: Eigenschaften strukturieren

Statt Eigenschaften in Fließtext zu schreiben („verfügbar in Größe S, M, L“), werden sie als strukturierte Felder angelegt. Eine Liste der erlaubten Werte pro Eigenschaft („Größe: XS, S, M, L, XL, XXL“) verhindert Tipp-Fehler und macht Filter im Shop möglich.

Punkt 3: Bilder ordnen

Bilder bekommen einen festen Pfad im PIM, mit klarer Zuordnung zu Produkt, Variante und Bild-Rolle (Hauptbild, Zoom, Detail, Lifestyle). Statt Dateinamen-Konventionen sitzt die Zuordnung im PIM-System, sodass Bild-Umbenennungen die Verkettung nicht brechen.

Punkt 4: Sprachen klären

Welche Sprachen sind Pflicht, welche optional? Welche Felder werden übersetzt, welche bleiben sprachneutral (Artikelnummer, Maße)? Eine klare Sprach-Logik im PIM macht die mehrsprachige Pflege handhabbar.

Punkt 5: Verkettung zu Shop und Marktplatz

Das PIM ist die führende Quelle. Wer ein Produkt im Shop ändert, ändert es im PIM, und das PIM schickt die Änderung an alle angeschlossenen Kanäle. Wer ein Produkt im PIM neu anlegt, erscheint es automatisch im Shop und in den Marktplatz-Datenfeeds — ohne Doppel-Pflege.

Wann ein eigenes PIM-System wirklich lohnt

Eine eigene PIM-Software-Schicht ist keine Pflicht für jeden Mittelständler. Drei Schwellen markieren den Einstieg:

  • Über 1.000 Artikel mit gepflegter Eigenschaft-Tiefe.
  • Mehrsprachige Pflege ab zwei Sprachen mit unterschiedlichen Übersetzern oder Pflege-Personen.
  • Mehr als ein Verkaufs-Kanal — Shop plus Marktplatz plus Katalog-Druck plus Werbung mit Produkt-Daten.

Wenn keine dieser Schwellen erreicht ist, reicht oft eine saubere Datenbank-Tabelle im Shop selbst. Wer die fünf Punkte oben dort konsequent umsetzt, hat schon viel Pflege-Aufwand vermieden.

Wer eine der Schwellen erreicht, lohnt der Schritt zu einem eigenen PIM. Die Auswahl reicht von schlanken Open-Source-Lösungen für Mittelständler bis zu großen Enterprise-Systemen — die richtige Wahl hängt vom Bedarf ab. Wichtig: PIM ist eine Daten-Schicht, kein Marketing-Werkzeug. Wer ein PIM auswählt, fragt zuerst, ob die eigene Daten-Struktur gut darin abbildbar ist, nicht ob die Benutzeroberfläche schön ist.

Die häufige Falle: PIM und Warenwirtschaft zusammenwerfen

Ein PIM ist nicht dasselbe wie eine Warenwirtschaft. Die Warenwirtschaft (ERP) ist die Zentrale für Bestand, Bestellungen, Buchhaltung, Lager-Bewegungen. Das PIM ist die Zentrale für Produkt-Beschreibungen, Bilder, Eigenschaften. Beide brauchen einander — die Warenwirtschaft liefert Bestand und Standardpreis, das PIM liefert Beschreibung und Bild — aber sie sind nicht dasselbe.

Wer versucht, alles in der Warenwirtschaft abzubilden, kämpft mit fehlenden Übersetzungs-Logiken und Marketing-Pflege-Bedarf. Wer alles ins PIM packt, verschiebt Buchhaltungs- und Bestandsführungs-Logik in ein System, das dafür nicht gebaut ist.

Was Hannes daraus macht

Wir bauen Shops mit einer Daten-Schicht, die die PIM-Logik schon im Kern hat — strukturierte Eigenschaften, klare Bild-Zuordnung, Sprach-Schichten, Verkettung zu Marktplatz-Datenfeeds.

  • Bei Shops bis 1.000 Artikel reicht die eingebaute Daten-Schicht — kein separates PIM nötig, kein zweites System zu pflegen.
  • Bei größeren Sortimenten oder mehrsprachiger Pflege oder Multi-Channel-Bedarf binden wir ein eigenes PIM-System an, mit klar dokumentierter Schnittstelle.
  • Die fünf Punkte oben sind im Audit Pflicht-Thema, bevor wir den Shop bauen — Daten-Struktur vor Storefront-Optik.
  • Wir trennen PIM und Warenwirtschaft sauber: Bestand und Buchhaltung kommen aus der Warenwirtschaft, Produkt-Beschreibungen aus dem PIM. Beide Systeme reden über eine klare Schnittstelle.

Wenn du gerade vor der Frage stehst, ob deine Excel-Liste noch trägt oder schon kippt, lass uns die fünf Punkte im Audit gemeinsam durchgehen — meist ist der Befund eindeutig.

Häufige Fragen

Wir haben heute eine Excel-Datei mit 600 Artikeln — müssen wir sofort auf ein PIM umsteigen?
Nicht zwingend. 600 Artikel sind im Grenzbereich. Wenn du nur in einer Sprache verkaufst, nur einen Verkaufs-Kanal hast und mit den sechs Excel-Schwächen oben nicht in der Praxis kämpfst, kann die Datei noch eine Weile tragen. Wenn du aber merkst, dass Pflege regelmäßig vergessen wird, dass Tipp-Fehler durchrutschen oder dass eine Marktplatz-Anbindung jedes Mal Konvertierungs-Arbeit ist, ist der Zeitpunkt für PIM gekommen.
Was kostet ein PIM-System für Mittelstand grob?
Spannweite ist groß. Schlanke Open-Source-PIMs mit Hosting und Pflege sind oft im niedrigen vierstelligen Bereich pro Jahr machbar. Mittlere kommerzielle Lösungen liegen je nach Funktions-Tiefe und Artikel-Anzahl in mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Bereichen pro Jahr. Enterprise-PIMs für große Sortimente sind eine eigene Liga und werden hier nicht relevant. Konkrete Empfehlung kommt aus dem Audit anhand deines Bedarfs.
Können wir das PIM später nachrüsten, wenn das Sortiment wächst?
Ja, wenn der Shop eine saubere Daten-Schnittstelle hat. Dann lässt sich ein PIM später davor schalten, das die Produkt-Daten an den Shop liefert. Wenn der Shop dagegen eng mit einer Excel-Import-Logik gebaut ist, ist der Wechsel aufwendiger — oft mit Datenstruktur-Bereinigung als Nebenarbeit. Deshalb klären wir im Audit schon vor dem Shop-Bau, ob ein PIM-Anschluss absehbar ist.
Wer pflegt das PIM — Marketing oder Vertrieb oder Einkauf?
Meistens mehrere — und genau das ist eine der Stärken eines PIMs gegenüber Excel: Verschiedene Personen können verschiedene Felder pflegen, ohne sich gegenseitig zu überschreiben. Einkauf pflegt Stamm-Daten und Lieferanten-Informationen, Marketing pflegt Beschreibungen und Bilder, Vertrieb pflegt Verkaufs-Argumente und Cross-Sell-Verkettung. Das PIM hält die Versionen sauber.
Brauchen wir auch ein PIM, wenn unsere Hersteller die Produkt-Daten ohnehin liefern?
Oft trotzdem, weil die Hersteller-Daten selten genau zu deinem Sortiment und deiner Käufer-Sprache passen. Du nimmst die Hersteller-Daten als Grundlage und reicherst sie im PIM mit eigenen Beschreibungen, eigenen Bildern, eigenen Verkaufs-Argumenten und eigenen Filter-Werten an. Reine Hersteller-Daten reichen für preisgetriebene Shops, aber selten für Premium-Positionierung.
Wie lange dauert eine PIM-Einführung im Mittelstand?
Faustregel: drei bis sechs Monate von Auswahl bis produktivem Betrieb. Der größte Teil davon ist nicht die Software-Einführung, sondern die Daten-Bereinigung im Vorfeld — Eigenschaften strukturieren, Tipp-Fehler säubern, Bilder neu zuordnen. Wer diese Arbeit als Teil der PIM-Einführung plant, kommt sauber durch. Wer sie als „machen wir später“ verschiebt, hat ein PIM mit unsauberen Daten — was das Problem nur verlagert.

Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.

Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.