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Positionierung für die KMU-Website: Die eine Zeile, die hängen bleibt

Stand: 18. Juni 20253 Min Lesezeit

Was drin steht

  • Positionierung ist nicht das, was du machst — sondern für wen, in welchem Moment, mit welchem Versprechen.
  • Konzern-Phrasen wie „individuelle Lösungen“ oder „ganzheitlicher Ansatz“ sind keine Positionierung. Sie sind das Geräusch, gegen das echte Positionierung sich abhebt.
  • Die ehrlichste Testfrage: Wenn ein Interessent nach dem Erstkontakt seinem Kollegen erklärt, was du tust — kann er das in einem Satz, der hängen bleibt?
  • Eine gute Positionierung sitzt im Hero deiner Website und in jedem Erstgespräch. Wenn beide Versionen unterschiedlich klingen, ist sie noch nicht fertig.
  • Wer im Mittelstand sitzt, hat einen unterschätzten Hebel: sehr konkret werden. Statt „Werkstatt für Marketing“ sag „Studio für BFSG-Sanierungen in 1–3 Werktagen“. Eine Spitze schlägt fünf Vermutungen.

„Wir machen Webseiten für den Mittelstand.“ Diesen Satz hört man auf jeder zweiten Agentur-Site. Er ist nicht falsch — er ist nur austauschbar. Genau das ist das Problem mit der Positionierung im Mittelstand: Sie wird oft mit „beschreiben, was wir tun“ verwechselt. Aber Positionierung ist nicht Beschreibung. Sie ist die Antwort auf eine Frage, die der Kunde im Kopf hat — und niemand sonst beantwortet.

Was Positionierung ist — und was nicht

Positionierung ist die Schnittmenge aus drei Dingen: Wer hat das Problem, welches Problem genau, und welches Versprechen löst es. Wenn eines der drei fehlt, ist es keine Positionierung — es ist Beschreibung.

„Wir machen Webseiten“ ist Beschreibung. „Wir bauen Wachstumsplattformen für KMU mit Inhaber-Geschäft, die in zwölf Wochen verkaufsbereit sein müssen“ ist Positionierung. Spürst du den Unterschied? Beim zweiten Satz hast du sofort ein Bild: Wer der Kunde ist, was er gerade durchmacht, und was du versprichst.

Die Konzern-Phrasen-Falle

Drei Wörter, die im Mittelstand fast immer falsch klingen, weil sie von Konzern-Sprache übernommen wurden:

  • „Individuelle Lösungen“ — sagt nichts. Jede Lösung ist individuell, sobald sie ein Mensch baut. Was du eigentlich meinst: „Wir bauen, was du brauchst, nicht was im Baukasten ist.“
  • „Ganzheitlicher Ansatz“ — Konzern-Vokabular für „wir machen alles“. Im Mittelstand klingt das überheblich. Besser: „Wir denken vom Verkauf her, nicht vom Tool.“
  • „Innovativ und partnerschaftlich“ — die Floskel-Brücke ins Nichts. Wenn du das streichst, fehlt nichts.

Konzern-Phrasen sind nicht „professionell“, sondern austauschbar. Inhaber-geführte Betriebe wirken authentischer, wenn sie redet wie ein Mensch — nicht wie eine Pressemitteilung.

Werkstatt war gestern, Studio ist heute

Ein gutes Beispiel, wie eine kleine Wort-Veränderung große Positionierungs-Folgen hat: Wir haben anfangs überlegt, „Werkstatt für Mittelstands-Websites“ zu sein. Klingt bodenständig, klingt nach Handarbeit. Klingt aber auch nach Kfz-Reparatur und Schreinerei — also nach falscher Nachbarschaft im SEO.

„Studio“ macht etwas anderes. Studio heißt: hier wird gestaltet, nicht repariert. Hier sitzt jemand mit einem Kopf und einem Konzept, nicht nur mit einem Schraubenschlüssel. Studio ist Premium-Vokabel ohne arrogant zu sein. Das ist die Sorte Wort-Wahl, die Positionierung macht.

Die Testfrage, die alles klärt

Wenn du dich fragst, ob deine Positionierung sitzt, gibt es eine ehrliche Test-Sequenz:

  1. Du erklärst einem Interessenten in einem Erstgespräch, was du tust.
  2. Der Interessent erzählt es einer Woche später seinem Kollegen.
  3. Der Kollege ruft dich an, weil er genau das gleiche Problem hat wie der erste Interessent.

Wenn diese Kette funktioniert, sitzt deine Positionierung. Wenn der Kollege anruft, aber etwas anderes will, hast du ein Beschreibungs-Problem — und keine Positionierung. Wir haben das selbst zweimal durchgemacht und die Hero-Zeile am Ende deutlich konkreter formuliert als beim ersten Anlauf.

Spitz schlägt breit — fast immer

Inhaber haben Angst, sich zu spitz zu positionieren. Die Sorge ist verständlich: „Wenn ich nur Steuerberater-Websites mache, kriege ich keine Friseure mehr.“ Stimmt. Aber: Wenn du bei allen Steuerberatern als die Lösung gilst, kommen die Steuerberater zu dir. Wenn du bei Friseuren und Steuerberatern und Anwälten dabei sein willst, kommt niemand zu dir — weil du bei keinem die erste Wahl bist.

Spitz heißt nicht: nur eine Branche. Spitz heißt: ein klarer Anlass, ein klares Versprechen, eine klare Zielgruppe. Du kannst gleichzeitig spitz und breit anwendbar sein — wenn die Spitze ein Anlass ist (BFSG-Sanierung, GEO-Strategie, Festpreis-Onepager), nicht eine Branche.

Die Hero-Zeile als Härte-Test

Deine Hero-Zeile ist deine Positionierung in einer Zeile. Wenn du sie schreibst, prüfe drei Fragen:

  • Steht da, für wen das Versprechen gilt? (Inhaber-Geschäft, KMU, Mittelstand — sei konkret, „alle“ zählt nicht)
  • Steht da, was anders ist? (Schneller, eingebaut, Festpreis, ohne Lizenz-Tretmühle — nicht „besser“)
  • Steht da, was passiert? (Verkaufen, sichtbar werden, sanieren — kein Substantiv-Cluster wie „digitale Transformation“)

Wenn alle drei drin sind, hast du eine Hero-Zeile. Wenn eine fehlt, klingt es wie Werbe-Text — und Werbe-Text ist keine Positionierung.

Was Hannes daraus macht

Unsere eigene Hero-Zeile ist nicht in zehn Minuten entstanden — sie ist Ergebnis von drei Iterationen mit echten Erstgesprächen dazwischen. Die erste Version war zu vage („Premium-Websites“), die zweite zu breit („für den Mittelstand“), die dritte zu Konzern-deutsch. Heute steht eine Zeile, die in 90 % der Erstgespräche genau so wiederkommt: der Anlass benannt, das Versprechen konkret, die Sprache menschlich. Das ist der ehrlichste Test, ob Positionierung sitzt — wenn der Kunde sie unverändert nachspricht, weil sie sein Problem genau trifft.

Wenn du deine eigene Positionierungs-Zeile schärfen willst, ist der einfachste Weg ein 20-minütiges Gespräch. Wir hören uns dein heutiges „Was wir machen“ an, stellen drei Test-Fragen und sagen dir, an welcher Stelle die Zeile noch zu Konzern-deutsch klingt.

Häufige Fragen

Wir machen sehr unterschiedliche Kunden — wie kann ich mich da spitz positionieren?
Das Argument hören wir oft. Die Antwort: Positioniere dich nicht über die Branche, sondern über den Anlass. „Wir sanieren Websites unter BFSG-Druck in 1–3 Werktagen“ funktioniert quer durch alle Branchen — und ist trotzdem spitz, weil der Anlass klar ist. Branchen-Vielfalt ist kein Hindernis, wenn der gemeinsame Schmerz benannt ist.
Reicht es nicht, im Hero einfach das Angebot zu nennen?
Nein. Das Angebot kann „Website-Erstellung“ sein — das sagt aber nichts über dich. Positionierung muss erklären, warum jemand dich wählt und nicht den nächsten Anbieter. Ohne Wahl-Argument bist du nur eine von vielen Beschreibungen.
Was, wenn ich meine Positionierung später ändern will?
Positionierung ist nichts, was du einmal festschreibst. Sie kann sich verschieben, wenn du merkst, dass ein bestimmtes Segment besser bei dir kauft. Wir empfehlen, alle 6–12 Monate zu prüfen: Welche Anfragen kommen tatsächlich, welche werden zu Aufträgen, welche fallen raus. Das Ergebnis schärft die Positionierung von selbst — und du musst nicht raten.
Wir sind im B2B, da läuft alles über Empfehlung — brauchen wir überhaupt Positionierung?
Ja, gerade dann. Wer dich empfiehlt, braucht einen Satz, mit dem er dich beschreibt. Wenn du keinen festen Satz lieferst, erfinden Empfehlende einen — und der ist meistens weniger präzise als deiner. Eine klare Positionierungs-Zeile macht dich empfehlbarer, nicht weniger.
Wieviele Schleifen braucht eine gute Positionierungs-Zeile?
Realistisch zwischen drei und fünf. Die erste Version ist meist zu vage, die zweite zu lang, die dritte zu sehr Werbe-Text. Erst wenn du die Zeile an einem realen Erstgespräch getestet hast und der Gegenüber sie unverändert wiederholt, ist sie fertig.
Was ist mit „Premium“-Vokabeln — wirken die nicht arrogant?
Premium ist keine arrogante Vokabel, wenn du sie mit Substanz hinterlegst. „Premium-Studio“ klingt anders als „beste Agentur“: Das eine ist Vokabel-Wahl, das andere ist Superlativ. Superlative sind das Problem, nicht Premium-Wortwahl.

Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.

Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.