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Zielgruppe konkret: Eine Persona mit Namen schlägt fünf Vermutungen

Stand: 2. Juli 20254 Min Lesezeit

Was drin steht

  • „Wir richten uns an mittelständische Unternehmen“ ist keine Zielgruppe. Es ist die Abwesenheit einer Zielgruppe.
  • Eine echte Buyer-Persona hat einen Namen, einen Alltag, einen Druckpunkt und eine Sprach-Variante, die du erkennen würdest, wenn du sie hörst.
  • Eine Persona schlägt fünf Vermutungen, weil sie Entscheidungen erzwingt: Eine Hero-Zeile passt entweder zu Martin (54, Inhaber-Steuerberater, drei Mitarbeiter) — oder zu „den Mittelständlern“. Beide gleichzeitig geht nicht.
  • Ehrliche Personen kommen aus realen Erstgesprächen — nicht aus Workshop-Vorlagen mit Stockfoto. Wenn du keine drei Erstgespräche hattest, hast du keine Persona, du hast eine Vermutung.
  • Wir empfehlen genau eine Haupt-Persona pro Produkt-Linie. Mehr Personas führen zu mehr Spagat — und Spagat ist sichtbar in jeder Hero-Zeile.

Im Web-Geschäft sagt fast jeder: „Wir kennen unsere Zielgruppe.“ Wenn man dann nachfragt, kommen meist zwei Sätze: „Mittelständische Unternehmen“ und „Inhaber, die etwas aufbauen wollen.“ Beide Sätze sind nicht falsch. Beide sind unbrauchbar. Sie sind so weit gefasst, dass keine Entscheidung daraus folgt — und genau das ist der Punkt: Zielgruppen-Beschreibung muss Entscheidungen erzwingen, sonst war es Lippenbekenntnis.

Was eine Persona ist — und was nicht

Eine Buyer-Persona ist nicht eine demografische Beschreibung. „Männlich, 45–60, Geschäftsführer, Umsatz 1–5 Mio €“ ist Statistik, keine Persona. Was du brauchst, ist:

  • Ein Name — weil ein Name dich zwingt, in der Einzahl zu denken
  • Ein Alltag — was passiert in seiner Woche, was raubt ihm Zeit
  • Ein Druckpunkt — warum ruft er dich an, was hat er heute Vormittag erlebt, dass er dein Kontaktformular ausfüllt
  • Eine Sprach-Variante — welche Wörter benutzt er selbst, welche reizen ihn negativ, welche kommt im Erstgespräch immer wieder

Wenn diese vier Punkte fehlen, hast du keine Persona — du hast eine Hülse. Hülsen helfen dir nicht beim Texten, beim Designen, beim Pricing-Argument.

Beispiel: Martin, 54, Inhaber-Steuerberater

So sieht eine konkrete Persona aus — nicht erfunden, sondern aus drei realen Erstgesprächen verdichtet:

Name: Martin (in Wirklichkeit verschiedene Vornamen, aber das Muster sitzt). Alter: 54. Rolle: Inhaber einer Steuerberater-Kanzlei mit zwei Berufsträgern und vier Mitarbeitern. Alltag: 7:30 Uhr im Büro, 18:30 Uhr raus, dazwischen Mandantengespräche, Lohnabrechnungen, ständige Anrufe wegen E-Rechnungs-Fragen. Hat zuletzt 2014 eine Website bauen lassen, seitdem läuft sie. Druckpunkt: Hat im Mai 2025 einen Wettbewerbs-Brief wegen BFSG-Konformität bekommen. Hat zwei Wochen gehofft, das löst sich. Sucht jetzt nach einer Lösung, weil die Frist näher rückt. Sprach-Variante: sagt „Mandant“, nicht „Kunde“. Sagt „sauber“ oft („das muss sauber sein“). Reizt sich, wenn er hört „digitale Transformation“ oder „Customer Journey“.

Mit dieser Persona kannst du eine Hero-Zeile schreiben, die Martin sofort spürt: „BFSG-Sanierung deiner Mandanten-Site in 1–3 Werktagen — sauber dokumentiert, Festpreis nach Befund.“ Jeder Satz darin trifft. „Sanierung“ — er hat eine bestehende Site. „1–3 Werktage“ — er hat keine Zeit. „Sauber“ — sein Lieblings-Wort. „Festpreis nach Befund“ — er hasst überraschende Rechnungen.

Was eine schlechte Persona ist

Das Gegenbeispiel kommt aus jedem zweiten Marketing-Workshop:

„Mario, 45–60, Inhaber/GF, KMU 5–50 MA, sucht moderne Online-Präsenz, ist preis-bewusst aber qualitäts-orientiert, Hobbys: Familie und Sport, liest Handelsblatt.“

Was kannst du damit anfangen? Nichts. Aus dieser Beschreibung folgt keine Hero-Zeile, kein FAQ-Eintrag, kein Mail-Text. „Preis-bewusst aber qualitäts-orientiert“ passt auf 95 % aller Menschen. „Hobbys: Familie und Sport“ ist Stockfoto-Vokabular. Du kannst diese Persona einer beliebigen Agentur zeigen und sie passt überall. Genau das ist das Problem.

Persona aus echten Gesprächen verdichten

Die ehrlichste Methode, eine Persona zu bauen: Setz dich nach jedem Erstgespräch zehn Minuten hin und schreib auf:

  1. Welche drei Wörter hat der Gegenüber häufig benutzt?
  2. Welche Vokabel hat ihn sichtbar gereizt oder skeptisch gemacht?
  3. Was war der konkrete Anlass für das Gespräch — ein Brief, eine Frist, ein Verlust, ein Frust?
  4. Was war seine erste Frage nach der Begrüßung?

Nach drei bis fünf Gesprächen siehst du Muster. Dieselben Wörter kommen wieder. Dieselben Anlässe. Dieselben ersten Fragen. Aus diesem Muster baust du die Persona — nicht aus einem Workshop-Template mit „Bedürfnissen, Ängsten und Motivationen“ als Spalten.

Eine Persona, nicht fünf

Viele Anleitungen empfehlen, drei bis fünf Personas pro Geschäft anzulegen. Wir empfehlen das Gegenteil: genau eine Haupt-Persona pro Produkt-Linie. Sekundär-Personas sind erlaubt, aber sie dürfen die Hero-Zeile nicht verbiegen.

Der Grund ist einfach: Wenn deine Hero-Zeile drei Personas gleichzeitig erreichen will, wird sie generisch. Sie wird zu „mittelständische Unternehmen“ zurückfallen — und damit unsichtbar werden. Eine spitze Persona-Adresse („Martin, BFSG-Brief in der Tasche“) schließt Maria mit dem Friseur-Salon nicht aus. Maria liest die Site, denkt „das ist nicht ganz mein Fall, aber die Logik passt“, und ruft trotzdem an. Spitz schließt nicht aus — es bezieht.

Persona-Test: Würdest du sie auf der Straße erkennen?

Die ehrliche Probe, ob deine Persona steht: Wenn du Martin auf einer Steuerberater-Tagung treffen würdest — wüsstest du nach drei Sätzen, dass er es ist? Wüsstest du, wie du ihn ansprichst? Wüsstest du, welche zwei Vokabeln du nicht benutzen darfst, weil sie ihn nerven?

Wenn ja, sitzt die Persona. Wenn du raten musst, ist sie noch eine Hülse. In dem Fall hilft nur: zurück zu echten Erstgesprächen, zehn-Minuten-Notizen, Muster verdichten.

Was Hannes daraus macht

Wir haben für jede unserer vier Produkt-Linien genau eine Persona dokumentiert. Sie steht nicht in einer schicken PDF, sondern in einer schmucklosen Notiz mit Vor-Name, Alltag, Druckpunkt und Sprach-Eigenheiten. Jede Hero-Zeile, jedes FAQ, jede Mail wird gegen diese Persona getestet, bevor sie online geht. Wenn ein Satz nicht zu ihr passt, wird er umgeschrieben — oder gestrichen. Das ist die ehrlichste Form von Qualitäts-Kontrolle, die wir kennen, und sie kostet keine zusätzliche Stunde, sondern spart welche.

Wenn du an deiner eigenen Persona arbeitest und unsicher bist, ob sie schon spitz genug ist, schick uns deine aktuelle Version. Wir spielen sie gegen drei Test-Sätze und sagen ehrlich, wo sie noch Hülse ist und wo sie schon trägt.

Häufige Fragen

Wir haben sehr unterschiedliche Kunden — wie sollen wir uns auf eine Persona festlegen?
Du legst dich nicht auf einen Kundentyp fest. Du legst dich auf eine Persona pro Produkt-Linie fest. Wenn du zwei sehr unterschiedliche Kundengruppen hast, baust du zwei Produkt-Linien mit je eigener Persona — nicht eine Linie mit zwei Personas. Letzteres führt zwingend in den generischen Spagat.
Müssen wir uns die Persona ausdenken oder gibt es Daten dafür?
Beides. Demografische Daten (Alter, Rolle, Unternehmensgröße) kannst du aus deinem CRM oder aus Branchen-Statistik ziehen. Den entscheidenden Teil — Sprache, Druckpunkt, Alltag — bekommst du nur aus echten Erstgesprächen. Workshop-Personas ohne Gesprächs-Substrat sind Vermutungen, keine Personas.
Sollte die Persona auf der Website sichtbar werden?
Nicht direkt. Niemand will eine Persona-Beschreibung im Hero lesen. Aber die Persona prägt jede Wort-Wahl auf der Site — die Hero-Zeile, die FAQ-Sprache, die Beispiele, die Tonalität. Wenn die Persona stimmt, spürt der Besucher das, ohne dass jemand sie ihm zeigt.
Wie oft muss man die Persona aktualisieren?
Alle 6 bis 12 Monate. Märkte verschieben sich, Druckpunkte ändern sich (vor einem Jahr war BFSG noch theoretisch, jetzt ist er real). Wenn du merkst, dass die Sprache deiner Erstgespräche sich verschoben hat, ist das ein Signal, die Persona zu aktualisieren — nicht erst, wenn sie offensichtlich nicht mehr passt.
Was, wenn unsere Persona ein Buying Center ist statt einer Person — z.B. IT-Leiter plus Geschäftsführer plus Marketing?
Im B2B mit Buying-Center bleibt die Empfehlung: eine Haupt-Persona für die Hero-Zeile, die anderen Rollen werden im FAQ und im Erstgespräch adressiert. Wenn drei Rollen gleichzeitig im Hero auftauchen wollen, verlierst du wieder Spitze. Wähle die Person, die das Gespräch eröffnet — meist ist das die Person mit dem höchsten Leidensdruck.
Stockfotos für die Persona — ja oder nein?
Klare Empfehlung: Nein. Stockfotos verleiten dazu, die Persona schick aussehen zu lassen statt realistisch zu beschreiben. Wenn du ein Bild brauchst, nimm ein Symbol-Foto, das nicht Person zeigt — ein Schreibtisch, ein Aktenstapel, ein Kalenderausschnitt. Die Persona ist Text, nicht Foto.

Das regeln wir — so sieht das bei uns aus.

Unsicher, wo deine Seite steht? Frag Hannes — er schaut sie sich an und sagt dir ehrlich, was zu holen ist.